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Künstliche Intelligenz · Arbeitsalltag

3 Monate Claude – meine Erfahrungen mit KI im Arbeitsalltag

Marcus Weixelberger · · 3 Min. Lesezeit

Nach drei Monaten ist Claude für mich kein Experiment mehr, sondern ein fester Bestandteil meines Arbeitstages. Der größte Gewinn ist keine gesparte Zeit, die sich kaum beziffern lässt, sondern mehr Output in derselben Zeit: bessere Qualität und klarere Struktur.

Hier mein ehrlicher Erfahrungsbericht aus dem Alltag eines Geschäftsführers: was funktioniert, wo die Grenzen liegen und was ich anderen Geschäftsführern empfehle.

Ausgangslage: ein Kopf, viele Rollen

Ich bin Unternehmer und Geschäftsführer und damit gleichzeitig Controller, ITler, Berater und Entscheider. Dazwischen soll ich noch strategisch denken. Wer das kennt, weiß: Es fehlt selten an Ideen, sondern an Zeit und an einem zweiten Kopf, mit dem man Dinge schnell durchdenken kann.

Genau dafür habe ich Claude ausprobiert. Mein Maßstab war von Anfang an pragmatisch: Eine Aufgabe muss in derselben Zeit besser erledigt werden. Gelingt das, hat sich das Werkzeug bewährt.

Wofür ich Claude einsetze

Vier Bereiche haben sich in drei Monaten herauskristallisiert:

  • Recht und Verträge: Verträge lesen, Klauseln vergleichen, Entwürfe für Vereinbarungen vorbereiten und Fragen zum österreichischen Recht vorklären.
  • Zahlen und Betriebswirtschaft: Berichte und Auswertungen aufbereiten, Szenarien durchrechnen, Unterlagen für Bank und Steuerberater strukturieren.
  • Organisation und Personal: Checklisten, Gesprächsleitfäden, Protokolle und Vorlagen für wiederkehrende Abläufe.
  • Texte und Kommunikation: E-Mails, Angebote, Strategiedokumente uvm.

Was es wirklich bringt

Drei Effekte merke ich jede Woche:

  1. Vom leeren Blatt zum ersten Entwurf in Minuten. Er ist selten fertig, aber ich verbessere, statt bei null zu beginnen.
  2. Lange Dokumente schnell erfassen. Umfangreiche Unterlagen lasse ich zusammenfassen und gezielt abfragen: Wo steht die Kündigungsfrist? Was ist unklar? Was fehlt?
  3. Die zweite Meinung auf Abruf. Bevor ich eine Entscheidung treffe, lasse ich Argumente und Gegenargumente sammeln. Das ersetzt keinen Berater, schärft aber die Fragen, die ich ihm stelle.

Am deutlichsten wirkt das bei der Prüfung und Überarbeitung von Verträgen, bei der Analyse langer Mailverläufe und bei der Erstellung von Konzepten.

Grenzen und Lehren

KI ist ein starkes Werkzeug, aber kein Autopilot. Das habe ich gelernt:

  • Prüfen bleibt Pflicht. Claude kann sich irren oder etwas zu selbstsicher formulieren. Zahlen, Fristen und Rechtsfragen kontrolliere ich, bevor sie das Haus verlassen.
  • Österreich ist nicht Deutschland. Ohne Hinweis rutscht eine Antwort leicht ins deutsche statt ins österreichische Recht.
  • Vertrauliches bewusst behandeln. Ich entscheide jedes Mal, welche Informationen ich eingebe und welche nicht.

Meine Tipps für Geschäftsführer

  1. Klein anfangen. Eine wiederkehrende, lästige Aufgabe wählen, zum Beispiel ein Standardschreiben oder eine Auswertung.
  2. Kontext mitgeben. Rolle, Land, Ziel und gewünschtes Ergebnis in zwei, drei Sätzen nennen.
  3. Iterativ arbeiten. Den ersten Entwurf nicht erwarten, sondern verfeinern: „kürzer“, „direkter“, „mit Zahlen“.
  4. Fakten und Annahmen trennen lassen. Ich bitte Claude ausdrücklich, Gesichertes von Vermutetem zu unterscheiden.
  5. Kritisch gegenlesen. Was rechtlich oder finanziell Folgen hat, prüfen zusätzlich Fachleute.

Fazit

Claude hat sich bewährt, weil es mir Routine abnimmt, Struktur liefert und beim Durchdenken hilft. Die Entscheidung bleibt dabei Chefsache.

Als Nächstes werde ich mehr Struktur in die Ablage meiner Basisdokumente bringen und Prüf- und Monitoringaufgaben im klassischen Office-Alltag etablieren.

Ihr nächster Schritt

Wählen Sie diese Woche eine einzige wiederkehrende Aufgabe, zum Beispiel einen Standardbrief, eine Auswertung oder einen langen Mailverlauf, und lassen Sie Claude einen ersten Entwurf liefern. Geben Sie Land, Ziel und gewünschtes Ergebnis mit und prüfen Sie das Resultat kritisch. So sehen Sie schnell, ob sich KI auch für Ihren Arbeitsalltag bewährt.

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